Krautgarteln

Wenige 100 Meter von der U-Bahn-Station Josephsburg entfernt sticht eine Fläche aus der umgebenden Grünanlage „Michaelianger“ heraus. Hier steht Lauch in Reih und Glied, Fenchel Knolle an Knolle, da wachsen Wirsing, Weißkraut, Kopfsalat und Karotten. In einem Beet ist eine Gruppe mannshoher Maispflanzen unübersehbar, in einem anderen ragen rot blühende Feuerbohnen empor. Dann stattliche Tomatensträucher, an denen eine Vielzahl roter Früchte hängen und die von selbstgebauten Plastikdächern vor Regen geschützt sind. Schließlich Kürbispflanzen, die am Boden ranken und im Oktober große, orangene Früchte tragen. Dazwischen Ringelblumen in Gelb und Orange, Cosmeen in diversen Rosatönen, riesige Sonnenblumen und Dahlien in allen Farben. Auf der anderen Straßenseite sieht man hinter Bäumen die markanten Kirchtürme von St. Michael in Berg am Laim.

Parzellen am Münchner Stadtrand

Die Fläche, um die es hier geht, ist der „Krautgarten Berg am Laim“, einer von mittlerweile 20 Standorten, an dem interessierte Münchner Bürger seit 1999 Gemüse anbauen und selber ernten können. Die Standorte mit insgesamt über 1200 Parzellen liegen allesamt am Münchner Stadtrand. Wie z.B. in Solln oder Allach, in Feldmoching oder in Waldperlach. Die Krautgärten im Münchner Osten mit rund 100 Parzellen, zu denen der in Berg am Laim gehört, werden vom Städtischen Gut Riem betreut.

Jedes Jahr kann man von Mai bis November garteln und die Pflege und Ernte einer Parzelle, die 30, 60 oder 90 qm groß ist, übernehmen. 30 qm Fläche kosten bislang 75 EUR pro Jahr. Das Besondere ist: die Bewirtschaftung erfolgt ohne Einsatz von Mineraldüngern und chemischen Pflanzenschutzmitteln. Am Ende erntet der Krautgärtner also Gemüse in Bioqualität. Entsprechend werden die Flächen im Frühjahr mit Jungpflanzen aus biologischem Anbau bestückt, und für alles, was einzusähen ist, wird Bio-Saatgut verwendet.

Garteln nach Regeln

Die Regeln sind streng, auch die Ausbringung von Schneckenkorn ist in den Krautgärten nicht erlaubt. Ebenso darf man – anders als in Schrebergärten – keine Gartenlauben oder Schuppen einbauen, denn im Herbst werden die Flächen komplett geräumt und gehen wieder an den Landwirt zurück. Die Gartler verpflichten sich zur Unkrautpflege, zum Gießen und natürlich zum Ernten. Gestellt werden dafür Werkzeuge bzw. Wasser zum Gießen. Die Wege werden freigehalten, und fachmännischen Rat gibt es regelmäßig am Krautgartentelefon. Rund zwei Stunden Zeit pro Woche muss man mindestens einplanen, in heissen Sommern sicherlich mehr. Wer sich nicht ums Unkraut kümmert und die Beete vergrasen läßt oder doch chemische Pflanzenschutzmittel verwendet, dem droht die Kündigung. Nach Ende der Erntezeit – spätestens im November – werden die Flächen mit dem Traktor bearbeitet und gemulcht. Bis zum Jahresende müssen sich Krautgärtner in spe bewerben, wenn sie im nächsten Jahr eine Parzelle bewirtschaften wollen. Die Nachfrage ist groß.

Weitere Infos unter „Projekt Krautgärten“ auf http://www.muenchen.de.